Der Münchner Kreis diskutiert neue Wege zu Innovationen in den Telekommunikations-, IT- und Medienindustrien
Nachdem Rolf zum wiederholten Mal versehentlich den USB-Stecker mit der unteren Seite nach oben in den Port seines Laptops stecken wollte, schwört er sich, dass das nun nie wieder vorkommen soll. Seine Idee für einen Stecker, den jeder intuitiv richtig herum in die Hand nimmt, entwirft Rolf daraufhin online. Und zwar über das so genannte “RedesignTool” eines Internetportals, das gleichzeitig fester Bestandteil der Marktbeobachtung eines Hardware-Herstellers ist. Zwei Monate später liegt der neue “AlwaysFits”-USB-Anschluss in den Regalen der Elektronikhändler. Dieses Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Nutzer ist exemplarisch für ein neues Verständnis von Innovationsmanagement.
Gerade in den Telekommunikations-, IT- und Medienbranchen verändert sich die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsfelder in den letzten Jahren rasant. Während traditionell neue Angebotsideen in den Marketing- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen geboren wurden, sind im Zeitalter von Web 2.0 immer häufiger Kunden, Lieferanten und sogar Wettbewerber in den Innovationsprozess einbezogen. Was die Experten neue Formen der Arbeitsteilung durch interaktive Wertschöpfung oder kurz Open Innovation nennen, ist nichts anderes, als die Einbindung dieser externen Ressourcen. Als Gründe für die Öffnung der Unternehmen gelten der rasante technische Wandel, die Individualisierung der Nachfrage, steigender Kostendruck und der zunehmende globale Wettbewerb.
Der Münchner Kreis verfolgt und diskutiert die Entwicklung hin zu Open Innovation, und hat sie nun zum Leitthema seiner ganztägigen Fachkonferenz am 24. April 2008 gemacht. Im Münchner Kreis wirken seit mehr als 30 Jahren führende IT-Experten zusammen, die sich an der Nahtstelle von Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik mit Fragen der Technologie, der Gesellschaft, der Ökonomie und der Regulierung im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechniken sowie der Medien befassen. “Die Innovationskraft eines Unternehmens ist ein Schlüssel für dessen Wachstum und Erfolg.”, sagt Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises. “Echte Produkt- und Prozessinnovationen lassen sich aber gerade in technologiegetriebenen Branchen kaum noch ohne Einbeziehung externer Akteure realisieren”.
Ausgangspunkt für Überlegungen hin zu Open Innovation sind meist entweder neue Erfindungen oder die Einsicht, dass die Märkte schlauer und schneller sind, als Entwicklungsabteilungen. So sieht sich die Unterhaltungsindustrie seit einigen Jahren angesichts veränderter Konsumgewohnheiten ihrer Kunden gezwungen, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Neue Download-Funktionen im Internet und so genanntes Self-Marketing von Unterhaltungskünstlern haben hier die Umsätze der gesamten Branche einbrechen lassen. Gerade für Onlineangebote gilt, dass Medieninhalte vom Nutzer nicht mehr nur konsumiert, sondern immer häufiger selbst erstellt werden: Als Google YouTube mit seinen 60 Mitarbeitern für 1,65 Milliarden US-Dollar gekauft hat, zahlte man nicht nur für die innovative IT-Plattform, sondern vor allem für die Millionen freiwilligen Helfershelfer, die YouTube zu einer der führenden Videoplattformen machen. Auch die Verwendung von Linux Open-Source-Software durch die IBM verdeutlicht, dass die Einbindung von Externen oft schneller und kostengünstiger zum Erfolg führt, als interne Entwicklungen. Möglich macht diesen Trend nicht zuletzt die zunehmende Anzahl von Breitbandverbindungen, über die sich externe Ressourcen erschließen lassen - seien es Menschen oder Maschinen. So nutzt beispielsweise das Europäische Labor für Teilchenphysik CERN weltweit Rechenkapazitäten von Computern, die externe Forscher und nahestehende Institutionen ohne Gebühr zur Verfügung stellen.
Die Fachkonferenz “Innovationsführerschaft in der Telekommunikations-, IT- und Medienindustrie durch Open Innovation” findet unter Beteiligung führender Unternehmen am Donnerstag, den 24. April 2008 im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München statt. Programm und Anmeldung unter www.muenchner-kreis.de oder Telefon 089.22 32 38.
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